INNO-Kirche Velbert


Erneuerungsprozess der Pfarrgemeinde

Christen sollen „Licht der Welt“ sein, sagt Jesus in seiner berühmten Bergpredigt (Matthäus 5,14). Sie sollen beitragen, dass jeder Mensch in Würde leben kann, dass die ganze Gesellschaft von Werten wie Gerechtigkeit, Friede und Bewahrung der Schöpfung geprägt ist und dass Probleme gemeinsam gelöst werden. Doch funktioniert das heute noch? Befinden sich nicht alle Kirchen in der westlichen Welt im Sinkflug, zerrieben zwischen interner Reformverweigerung und externen gesellschaftlichen Veränderungen?

Das Pastoralteam und der Pfarrgemeinderat unserer katholischen Kirchengemeinde haben über die aktuelle Situation von katholischer Kirche in Velbert nachgedacht. Wir sind zum Schluss gekommen, dass wir nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern aktiv werden wollen. Wir brauchen eine professionelle Vitalisierung unserer Gemeinde, um jeden und jede einzelnen, aber auch unsere ganze Gemeinde leuchtend und anziehend zu machen. Dabei können wir auf positive Beispiele in unserer Pfarrei aufbauen, wir brauchen aber zusätzlich konstruktive Impulse von außen. Wir wollen von Kirchengemeinden lernen, die einen echten Turn-Around geschafft haben und die wieder wachsen!

Für diesen dreijährigen Prozess von 2021-2023 hat unsere Kirchengemeinde mit „Pastoralinnovation“ ein Institut aus Graz gewinnen können, das über langjährige Erfahrungen in der Begleitung von Gemeinden verfügt, die innovativ sein wollen und bereit sind, dafür engagiert zu arbeiten. Insofern wird es in diesen drei Jahren eine ganze Fülle von unterschiedlichen Veranstaltungen geben (Besuche durch Pastoralinnovation von Veranstaltungen vor Ort, Workshops, Arbeitsgruppentreffen, Treffen des Projekt-Leitungsteams etc.). Wir freuen uns auf Ihre Mitarbeit und Ihre Impulse.

Kontakt

Wir freuen uns über jede Art von Feedback und ermutigen Sie ausdrücklich dazu. Nutzen Sie dazu bzw. für Anmeldungen zu Veranstaltungen bitte die E-Mail-Adresse „Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.“ oder die Tel.Nr. 0175-53 38 84 4.
Ansprechpartner für das Projekt ist PR Punsmann.

INNO-Blog


1.12.2022 - Weg mit den Hindernissen!

Im Advent stellt sich die Frage: Sollten kirchliche Aktivitäten nicht in erster Linie unter dem Aspekt behandelt werden, was es heute bedeutet, Gott den Weg zu bereiten? „Jedes Tal soll sich heben, jeder Berg und Hügel sich senken. Was krumm ist, soll gerade werden, und was hüglig ist, werde eben.“, heißt es bei Jesaja 40,4. Was sind die Schlaglöcher, die heute das Kommen Gottes vereiteln? Was die Hindernisse, die aus dem Weg geräumt werden müssen? Welche krummen Traditionen verhindern heute, dass Menschen Gott erfahren? Welche Stolpersteine machen es unnötig schwer, sich für die Nachfolge Jesu zu entscheiden?

An diesem Punkt der Debatte weisen die einen darauf hin, dass es sich entweder um weltkirchliche Regelungen oder unaufgebbare Traditionen handelt und die anderen verweisen auf Kirchen, die trotz geänderter Regeln genauso im Kontext von Säkularisierung und Moderne marginalisiert werden und an Relevanz verlieren.

Aus Innovationssicht lässt sich feststellen: Innovationen fanden und finden nie unter optimalen Bedingungen statt. Sie stießen und stoßen nie sofort auf allgemeine Begeisterung, sondern sind oft mit massiven Widerständen, Verleumdungen und Verfolgungen konfrontiert. Sie wurden und werden selten von oben – top down – verordnet, sondern entstehen dort, wo das Problembewusstsein am stärksten ist. Dann werden mutig neue Wege angelegt, Hindernisse überwunden und Brücken gebaut.

 

Dr. Georg Plank, Pastoralinnovation
Webseite: www.pastoralinnovation.org


Hindernisse können von jedermann ständig in verschiedenen Kontexten erfahren werden. Nur: Wie gehe ich damit um? Lasse ich mich entmutigen oder gehe ich meinen Weg weiter? Die INNO Kirche hat in unserer Gemeinde keinen einfachen Start gehabt. Viele haben sich gefragt: Wozu brauchen wir das? Was bringt uns das? Kann nicht einfach alles so bleiben, wie es ist? Das Interesse vieler Menschen in der Gemeinde war mehr als verhalten. Mittlerweile scheint sich das Tableau zu drehen. Menschen sehen den Mehrwert, den die INNO Kirche bringt. Das konnten wir gut am Projekt „Kirche zum Ausprobieren“ erleben. Da wurde von vielen wahrscheinlich zum ersten Mal wahrgenommen, dass die INNO Kirche für sie persönlich einen Mehrwert bietet. Da wurde ein Hinderniss in vielen Köpfen aus dem Weg geräumt. Lassen Sie uns gemeinsam den Fokus weg von den Hindernissen nehmen hin zu den fruchtbaren Weiden direkt dahinter.

 

Gisbert Punsmann, PR

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24.11.2022 - Stabil und flexibel zugleich

Heute wird oft von Resilienz gesprochen, also der Fähigkeit, mit Schwierigkeiten und Krisen gut umgehen zu können. Manche Forscher:innen sehen Resilienz eher als Persönlichkeitsmerkmal, andere betonen, dass Resilienz das Ergebnis eines Prozesses zwischen Einzelpersonen und ihrem sozialen Umfeld ist. So oder so ergibt sich Resilienz meist aus einer dynamischen Balance von Stabilität und Agilität. Wie bei einer Pflanze braucht es stabilisierende Elemente, damit sie nicht vom kleinsten Windstoß zu Boden gedrückt wird. Sie braucht aber auch Nachgiebigkeit und Flexibilität, damit derselbe Windstoß den Halm oder Stamm nicht knickt oder gar bricht. Dieses Bild kann helfen, in unterschiedlichen Situationen einen angemessenen Weg zu finden. Bei vielen Themen und Werten schaffen Polaritäten ein konstruktives Spannungsfeld: Stabilität und Flexibilität, Tradition und Innovation, Bewahrung und Veränderung oder Arbeit und Muße, um nur einige zu benennen.

 

Dr. Georg Plank, Pastoralinnovation
Webseite: www.pastoralinnovation.org


Das Spannungsfeld zwischen Stabilität und Flexibilität ist sicherlich auch ein Thema für die INNO Kirche. Wir brauchen einen stabilen Rahmen, der uns unterstützt und ein Stück Verlässlichkeit gibt. Da ist zum einen die Lehre der Kirche, die Halt gibt zusammen mit den Faktoren vor Ort wie der Spendung der Sakramente, der Sorge um andere Menschen, der Gemeinschaft der Christen etc. Dies bietet aber „nur“ einen Rahmen, der ausgefüllt werden kann und muss. Die Umsetzung erfolgt vor Ort mit Ideen und Menschen vor Ort. Da bedarf es dann einer Flexibilität, da die Bedingungen vor Ort jeweils anders sind. Wie nehme ich die Bedingungen vor Ort wahr? Was brauchen die Menschen an diesem unseren Ort? Wie kann ich auf diese Fragen adäquat reagieren? Das sind die Fragen, welche die INNO Kirche bewegen. Helfen Sie gern mit, diese Fragen gemeinsam zu beantworten.

 

Gisbert Punsmann, PR

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17.11.2022 - VUCA als Landkarte

In unübersichtlichen Situationen beginnen wir nach Modellen oder „Landkarten“ Ausschau zu halten, um mit der plötzlichen Komplexität und Unberechenbarkeit umgehen zu können. Wie gut tun dann wohldurchdachte, aber einfache Werkzeuge, die Orientierung schaffen können. Dabei war uns klar, dass Vereinfachungen per se nie allen beteiligten Faktoren gerecht werden können. Solche Landkarten stellen immer auch Vereinfachungen dar, sie sind nun einmal nicht die Landschaft selbst. Aber sie können helfen, eine Landschaft wahrzunehmen, sich zu orientieren und sich dann darin zu bewegen. Eine solche hilfreiche Landkarte ist zum Beispiel das soziologische Modell der VUCA Welt. VUCA ist ein Akronym. Das V steht für „volatile“, auf Deutsch „flüchtig“, das U für „uncertain“ also „unsicher“, das C für „complex“ also „komplex“ und das A für „ambiguous“, also „mehrdeutig“.

Berater:innen, die seit Jahren mit dem Begriff der VUCA Welt arbeiten, haben dieses Akronym auch zu nutzen begonnen, um auf Möglichkeiten des konstruktiven Umganges mit ihr hinzuweisen. Dann steht das V für „Vision“, das U für „Understanding“, also „Verständnis“, das C für „Clarity“, also „Klarheit“ und das A für „Adaptability“ bzw. „Agility“, also „Anpassungsfähigkeit“ bzw. „Agilität“.

Wir haben oft erleben können, wie dieses relativ einfache Modell vielen Menschen und vor allem Führungskräften half, innerhalb völlig neuer Rahmenbedingungen vom passiven Erleiden ins aktive Gestalten zu kommen.

 

Dr. Georg Plank, Pastoralinnovation
Webseite: www.pastoralinnovation.org


Mir ist das „V“ für Vision sehr wichtig geworden. Ich denke, dass jede Gemeinde eine Vision benötigt. Andernfalls besteht die Gefahr, dass man einfach immer so weitermacht wie bisher, dann aber vieles wegen der fortschreitenden Zeit nicht mehr in dieselbe passt. Dann wenden sich Menschen ab, weil ihre Bedürfnisse nicht „mehr“ gestillt werden. Eine Gemeinde muss einen „Plan“ haben und diesen immer wieder an den Kontext und eine sich wandelnde Welt anpassen, ohne sich dabei und den eigenen Auftrag zu verlieren. Dann besteht die Möglichkeit, dass sie die Welt um sich herum weiterhin prägen kann. Unser Auftrag lautet schließlich „Salz der Erde“ und „Licht der Welt“ zu sein (Mt.5,13-14).

 

Gisbert Punsmann, PR

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10.11.2022 - Mehr Geld – mehr Innovation?

Seit ich in meiner Heimatdiözese hauptamtlich tätig war, also seit Ende der 80er Jahre, hieß es sparen, sparen, sparen. Da ich früh auch finanzielle Verantwortung über von mir geleitete Bereiche und Dienststellen wahrnehmen musste, merkte ich diesen Imperativ an ständig sinkenden Budgets. Als ich mir dann in meiner letzten diözesanen Tätigkeit als Leiter der Öffentlichkeitsarbeit alle Finanzzahlen genauer anschauen musste, stellte ich überrascht fest, dass sich die jährlichen Einnahmen immer erhöht hatten, oft sogar über der Inflationsrate. Ohne in Details kirchlicher Vermögensverhältnisse eingehen zu wollen (oder zu können, weil dieses Thema hochkomplex ist), vermute ich, dass die These sinkender Einnahmen in vielen katholischen Diözesen lange Zeit eine Mär war. Sie hatte aber massive Auswirkungen, wie jede lokale Gemeinde oder kategoriale Einrichtung schmerzhaft feststellen musste. Natürlich gibt es Kostentreiber, die eine problematische Dynamik entwickeln können, wie z.B. im Personal- und Baubereich, auf die man im Sinne eines verantwortungsvollen Wirtschaftens reagieren muss. Die Frage ist: Was führt eher zu Innovationen? Zu wenig Geld oder zu viel? Zu wenig Transparenz oder zu viel? Zu wenig Eigenverantwortung oder zu viel?

Aus meiner Sicht könnte eine faktenbasierte kirchliche Finanzpolitik folgende Verbesserungen bringen: Mehr finanzielle Transparenz für alle Beteiligten, mehr Verständnis für tatsächlich notwendigen Kürzungen, mehr Gerechtigkeit in der Verteilung der Mittel, mehr subsidiäre Eigenverantwortung und mehr Motivation, innovative Ideen einzubringen und umzusetzen. Da gibt es viel Luft nach oben.

Dr. Georg Plank, Pastoralinnovation
Webseite: www.pastoralinnovation.org


Wenn man mit ausländischen Katholiken über die Situation der Kirche in Deutschland spricht, gerade auch die finanzielle Situation, dann sind diese Menschen häufig sehr erstaunt darüber, wie viel Geld die Kirchensteuer jedes Jahr für die beiden großen Kirchen ausmacht. Das wirkt für sie ein wenig wie im Schlaraffenland. Dass auf der anderen Seite von diesem Geld sehr viele Menschen bezahlt und verschiedenste pastorale Aufgaben wahrgenommen werden müssen, gerät schnell in den Hintergrund. Wenn wir in vielen deutschen Bistümern von Kürzungen hören, dann denken wir häufig zunächst an Kirchen, Pfarrzentren oder Kitas, die geschlossen werden könnten. Aber sind diese die wesentlichen Elemente unseres Glaubens? Geht es nicht vielmehr um eine ganz persönliche Beziehung zu Jesus Christus, wozu ich gar kein Gebäude brauche? Wenn ich das realisiere und mein Christentum entschieden lebe, dann spielen Gebäude nicht mehr die entscheidende Rolle. Dann werde ich meinen Ort für Gottesdienste oder ähnliches finden. Denken wir für einen Moment an Diaspora-Christen, die 50 Km für einen Gottesdienst fahren. Möglicherweise „jammern“ wir auf hohem Niveau und vergessen dabei das Wesentliche, nämlich Jesus Christus.

Gisbert Punsmann, PR

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3.11.2022 - Auf andere warten?

Warum hat der auferstandene Jesus mit derselben „Mannschaft“ weitergemacht? Aus menschlicher Sicht erscheint das schleierhaft. Denn bei allen Evangelisten kommen die Zwölf nicht wirklich gut weg, wenn man vom bartlosen Jüngling Johannes absieht, der als einziger gemeinsam mit den Frauen zum Gekreuzigten steht. Dieser ist es dann auch, der den Wettlauf zwischen Gesetz und Liebe, symbolisiert durch Petrus und Johannes, gewinnt und als erster „sah und glaubte“ (Johannes 20,8).

Die Apostel verstanden oft seine Gleichnisse oder Weisheitssprüche nicht oder interpretierten sie falsch. Sie meinten, bestimmte Typen wie den blinden Bartimäus von Jesus fernhalten zu sollen, hatten ein verstocktes Herz und stritten um Privilegien und Macht. Bei der ersten Leidensankündigung eskalierte die Situation, sodass Jesus den widerborstigen Simon Petrus vor allen scharf zurechtweisen musste. Am Ende seines Lebensweges musste der zunehmend vereinsamende Mann aus Nazareth erleben, dass die großmäuligen Jünger zwar versprechen, ihm bis in den Tod zu folgen, dann aber in seiner dunkelsten Verlassenheit im Garten von Getsemani unsolidarisch schlafen und bei der ersten brenzligen Situation das Hasenpanier ergreifen.

Warum hat der auferstandene Jesus also mit derselben „Mannschaft“ weitergemacht?

War es die durch das Versagen genährte Sehnsucht nach dem Besseren? Oder können wir darin auch einen Hinweis erkennen, dass wir mit den Menschen, die aktuell da sind, den Weg der Innovation und der Verbesserungen beginnen sollen? Dass der Wunsch nach anderen, besseren Mitarbeiter:innen im Grunde abwertend, geringschätzend und überheblich ist?

Dr. Georg Plank, Pastoralinnovation
Webseite: www.pastoralinnovation.org


Manches Mal kann man in einer Gemeinde oder von Menschen im Umfeld einer Gemeinde hören: „Wenn wir einen anderen Papst oder Erzbischof oder Pfarrer oder Pastoralreferenten oder … hätten, dann würde uns der Glaube erheblich leichter fallen, dann würden wir mit Freude in den Sonntags-Gottesdienst gehen usw. Glauben Menschen, die so etwas behaupten, ihren eigenen Worten oder suchen sie nicht vielmehr eine einfache Ausrede, die gerade in der heutigen Zeit viele Claqueure im eigenen Umfeld finden würde? Es geht nicht primär um die Mannschaft, sondern um die Botschaft. Diese ist der Mittelpunkt, nicht das Personal drum herum. Und ganz nebenbei: Andere haben wir nicht. Von außen lässt sich nicht viel erreichen. Man muss im inneren Kreis sein, um etwas bewegen zu können. Dort wird manches entschieden, aber auch „gearbeitet“. Sie sind herzlich jederzeit willkommen.

Gisbert Punsmann, PR

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27.10.2022 - Das Gute als Feind des Besseren

Oft verwende ich Beispiele für Unzulänglichkeiten, Unverständnis und Versagen, weil das Gute leicht zum Feind des Besseren wird. So sehr vieles auch in der heutigen Pastoral gelingt, so viel Qualität auch erreicht wird, so großartig das Engagement vieler Menschen auch ist: Im Erfolg, im Gelungenen, im Guten liegt immer auch der Keim der Saturiertheit, der Selbstbezogenheit, ja der Selbstgerechtigkeit. Warum soll man etwas ändern, wenn eh alles gut ist?

Die Versuchung ist groß, eventuelle Unzulänglichkeiten und Missstände mit positiven Aspekten aufzurechnen. „Ja sicher, die Zahl der Gottesdienstfeiernden ist zurückgegangen, aber in unserer Gemeinde gibt es vorbildhafte soziale Aktivitäten“, oder: „Unser Pfarrblatt ist ein bisschen veraltet, weil wir die ehrenamtlichen Redakteure nicht kränken möchten, aber unsere Homepage kann sich wirklich sehen lassen!“, oder: „Unser Chef schafft es einfach nicht, heikle Punkte ehrlich und konstruktiv anzusprechen, aber dafür ist er doch ein so tiefer, geistlicher Mensch!“

Defizite und Fehler nüchtern und ehrlich wahrnehmen, einander dennoch lieben und so die Sehnsucht nach dem Besseren nähren. Wäre das nicht ein guter Weg?

Dr. Georg Plank, Pastoralinnovation
Webseite: www.pastoralinnovation.org


Wenn man die Pastoral einer Gemeinde „verbessern“ will, dann gibt es im Wesentlichen zwei Ansätze: Man kann die bereits vorhandenen positiven pastoralen Felder versuchen noch auszubauen oder man kann die „pastoralen Leerfelder“ versuchen zu füllen. INNO Kirche hält beides für wichtig. Eigentlich sollte es gar keine Leerfelder geben, zum anderen zeigen Felder, in denen es gut läuft, wo man engagierte Menschen bei der Arbeit hat, wie es geht. Wenn Sie uns in beiden Bereichen helfen wollen, besser zu werden, so sind Sie in der INNO Kirche herzlich willkommen. Wir freuen uns auf Sie.

Gisbert Punsmann, PR

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20.10.2022 - Ehrlich bereuen

Ich habe gerade in meiner Funktion als diözesaner Pressesprecher oft erleben müssen, dass Journalist:innen, Kirchenkritiker:innen oder Atheist:innen die Kirche nicht anklagen, weil sie gesündigt hat. Nein, es empört sie, wie allzu viele Kirchenvertreter:innen mit der eigenen Schuld und deren Opfer umgehen. Intuitiv erfassen auch sogenannte „kirchenferne“ Menschen, dass genau der Umgang Jesu mit „gescheiterten“ Existenzen, mit schuldiggewordenen Menschen, mit sozial und religiös Ausgeschlossenen und generell mit Diskriminierten ihn zu einem so besonderen, ja einzigartigen Menschen gemacht hat. Diese Einschätzung ist unabhängig davon, ob jemand Jesus im religiösen Sinne als Prophet, Vorbild oder sogar Sohn Gottes versteht und verehrt, oder ob viele ihn einfach als Prototyp eines Menschen betrachten, der „gut“ im besten Sinn des Wortes ist.

Daher können viele Menschen die Innovationsverweigerung so vieler kirchlicher Verantwortlicher nicht verstehen. Junge Menschen empfinden oft eine besonders heuchlerische Diskrepanz zwischen der Lehre von der fundamentalen Gleichheit aller Menschen und der kirchlichen Praxis. Sie verstehen intuitiv, dass Jesus niemals Menschen aufgrund von Geschlecht, Hautfarbe, Religion oder sexueller Orientierung diskriminieren oder ihnen den Segen verweigern würde.

Dr. Georg Plank, Pastoralinnovation
Webseite: www.pastoralinnovation.org


Die Diskrepanz zwischen Wort und Tat ist keine, die sich nur auf Kirche bzw. Kirchenführer beschränkt. Wir können das in unserem Leben manches Mal gut nachvollziehen. Wir „erkennen“ leicht, was im Leben von jemand anderem geändert werden müsste. Wenn wir aber in derselben Situation wären, erkennen wir häufig nicht, was jetzt das Richtige zu tun wäre. Damit wir aus diesem Teufelskreis entfliehen können, hilft es, gute Freunde zu haben, die einen auf manches Veränderungswürdige in unserem Leben aufmerksam machen können. Wir können auch den Geist Gottes bitten, dies zu tun. Ich bin sicher, er wird es auf seine sensible Art und Weise tun.

Gisbert Punsmann, PR

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13.10.2022 - Disruptiver Jesus

In den Augen seiner Zeitgenoss:innen wurde das Verhalten Jesu oft als so disruptiv empfunden, dass sie sich an ihm rieben, ihn ablehnten oder sogar umbringen wollten. „Der Sabbat ist für den Menschen da“, „Die Ersten werden die Letzten sein!“, „Bei euch soll es nicht so sein“, „Kindern gehört das Himmelreich“, „Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein“. „Die Kranken brauchen den Arzt, nicht die Gesunden!“:

Solche radikalen Aussagen provozieren bis heute viele Menschen, auch Verantwortliche in Kirchen, auch mich! Noch mehr als Jesu` Worte sind es seine Taten, die vielen die Zornesröte ins Gesicht treibt oder zumindest zu allerlei interpretatorischen Verrenkungen führt. So bricht er immer wieder religiöse und gesellschaftliche Tabus seiner Zeit, wenn er mit Dirnen, Heiden, Aussätzigen oder Ausbeutern in Kontakt tritt, sie berührt oder mit ihnen Mahlgemeinschaft pflegt. Wie kann so ein Prophet von Gott gesandt sein? Zugespitzt deutlich wird diese Frage bei der Szene in Johannes 8,3-11, wo berichtet wird, wie die Schriftgelehrten und die Pharisäer eine Frau bringen, die beim Ehebruch ertappt worden war, und Jesus zwingen wollen, sich zu deklarieren, ob er treu dem Gesetz eine Steinigung befürwortet oder nicht. Sie selbst haben ihr Urteil schon gefällt, sowohl über die Frau als auch über Jesus, denn es heißt ausdrücklich: „Mit diesen Worten wollten sie ihn auf die Probe stellen, um einen Grund zu haben, ihn anzuklagen.“

Wie können Kirchen heute diesem disruptiven Jesus nachfolgen? Und würde so ein Verhalten Kirchen für viele Zeitgenoss:innen nicht wieder glaubwürdiger machen als es aktuell der Fall ist?

Dr. Georg Plank, Pastoralinnovation
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Radikale Handlungen Jesu haben seinerzeit viele Menschen abgeschreckt. Die Botschaft Jesu Christi ist radikal und kontrovers, woran sich bis heute nichts geändert hat. Ich erinnere mich gut an meine Heimatgemeinde im Münsterland, als vor ca. 30 Jahren eine sehr kleine Gruppe von Menschen anfing, sich wöchentlich zu einer Gebets- und Bibelstunde privat zu treffen. Da hieß es schnell, man würde sich zu wichtig nehmen oder meinen, man sei etwas Besseres. Diese ernsthaften und gutmeinenden Christen wurden quasi von ihrer eigenen Gemeinde ausgegrenzt, weil ihnen der Sonntagsgottesdienst nicht ausreichte und sie ihren Glauben ernst nahmen. Wenn wir auf die Zahlen der Katholiken in unserer Gemeinde und unserem Land schauen, dann scheint der Hinweis zu sein: „Nur wenn wir als Christen die radikale Botschaft unseres Meisters mit großer Ernsthaftigkeit leben, haben wir eine Chance, als Kirche und individuelle Christen in Deutschland bestehen zu können.“

Gisbert Punsmann, PR

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6.10.2022 - „Eh!“

Viele Teilnehmer:innen lachen, wenn ich bei Seminaren sage: „Das Wörtchen ‚eh‘ ist, zumindest in Österreich, der kürzest mögliche Ausdruck von Innovationsverweigerung.“ Wie oft haben Sie schon auf (Verbesserungs-) Vorschläge sogenannte Eh-Antworten bekommen: „Das haben wir eh schon gemacht oder probiert!“, „Das kennen wir eh schon!“, oder noch schlichter: „Ja eh, aber …“

Manche fühlen sich allerdings auch auf den Schlips getreten und reagieren dementsprechend. Sie finden gute Gründe oder schlechte Ausreden, warum gerade bei ihnen etwas nicht verbessert werden kann. Sie beschuldigen mich als Besserwisser, der ja keine Ahnung vom wirklichen Leben hat. Sie entwickeln unglaubliche Kreativität darin, ihre latente oder offene Verweigerungshaltung zu begründen, zu verteidigen oder als alternativlos zu rechtfertigen.

Ich gebe zu, auch ich komme immer wieder in Versuchung, angesichts solcher Reaktionen resignierend zu denken: Mit solchen Typen kannst du jegliche Innovation vergessen! Doch dann erinnere ich mich an die Tatsache, dass der Weg zu Innovationen immer mit Widerständen gepflastert ist und sein muss. Es gibt Möglichkeiten, trotz und angesichts von Skepsis, Zweifel und Verweigerung konsequent den Weg für Verbesserungen zu bereiten. Der Antrittsruf Jesu am Beginn seines öffentlichen Wirkens „Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt an das Evangelium!“ (Markus 1,15) weist dabei auf die entscheidende Haltung hin. Denn Umkehr, ja neues Denken (vgl. den griechischen Begriff ""Metanoia"") erfordert die Bereitschaft, eine negative Form von Stolz loszulassen, der latente narzisstische Dispositionen verstärkt: „Ich bin eh gut genug, was soll das Gerede vom Besserwerden!“

Dr. Georg Plank, Pastoralinnovation
Webseite: www.pastoralinnovation.org


Schon Voltaire, der französische Intellektuelle des 18. Jahrhunderts, wußte: „Das Bessere ist der Feind des Guten.“ Oder stellen Sie sich einen Autohersteller vor, der meint: Wir stellen jetzt die Entwicklung ein. Wir werden jetzt einfach nur noch das Auto X verkaufen und herstellen, das ist so toll. Niemand wird jemals etwas anderes wollen. Man kann sich leicht vorstellen, wie viele Autos dieses Unternehmen in 10 oder 20 Jahren noch verkaufen wird. In Kirchengemeinden ist es durchaus ähnlich. Man sieht, gerade wenn man verschiedene Gottesdienste besucht, ob eine Gemeinde sich verbessern will, auf die Bedürfnisse der Menschen eingehen will oder ob es eher um eine „fromme Dienstleistung“ geht. Im letztgenannten Fall werden die Kirchenbesucherzahlen mittel- und langfristig zurückgehen, im ersten Fall habe ich die Chance, dass eine Gemeinde wachsen kann. Zu welcher Art von Gemeinde wollen wir gehören?

Gisbert Punsmann, PR

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29.9.2022 - Inkrementell oder disruptiv?

Der jüngst verstorbene Grazer Verfassungsjurist und Politikwissenschafter Wolfgang Mantl sagte: "Wir müssen die wehenden Fahnen der Innovation an die starken Masten der Tradition hängen!" Das ist ein bestechendes Bild für den Zusammenhang von Tradition und Innovation. Daraus ergeben sich zwei Arten des Innovierens. Bestehendes zu verbessern und an neue Umfeldbedingungen anzupassen, ist die erste Art, das, was man als „inkrementelle Innovationen“ bezeichnet. Im Unterschied dazu schaffen „disruptive oder radikale Innovationen“ etwas völlig Neues. Faktisch handelt es sich bei den meisten Innovationen um die inkrementelle Verbesserungen von Produkten, Dienstleistungen, Prozessen oder Geschäftsmodellen. Das trifft auf die Wirtschaft, den Sozial- und Umweltbereich in gleicher Weise zu wie auf Verwaltungen, Non-Profit Organisationen oder eben auch auf Kirchen.

Gerade für letztere, in denen Traditionen hochgehalten und weitergegeben werden, ist dies eine gute Nachricht. Denn inkrementell zu innovieren wollen hoffentlich auch die Traditionsorientierten! Konservative Menschen könnten ihre Vorbehalte und Ängste vor Neuerungen ablegen, denn es geht eben nicht um einen Gegensatz zwischen Tradition und Innovation, um ein „entweder – oder“. Gerade unaufgebbare, fundamental identitätsstiftende Traditionen können durch sinnvolles konsequentes Verbessern in neuen Zeiten und unter neuen Bedingungen wieder Strahlkraft entwickeln und Früchte im Geiste des Gründers Jesus Christus bringen.

Dr. Georg Plank, Pastoralinnovation
Webseite: www.pastoralinnovation.org


Dass Tradition und Innovation keine Widersprüche sein müssen, lässt sich in einer Kirchengemeinde nicht immer leicht vermitteln. Wenn man in einen „normalen“ Sonntagsgottesdienst oder in einen Ortsausschuss gehen würde, um zu fragen, was den Menschen wichtig sei, würde man m.E. häufig hören, dass „alles doch bitte so bleiben möge, wie es ist.“ Nicht angefügt wird dabei: „…bis ich dann irgendwann nicht mehr da bin.“ Rein menschlich lässt sich dieses Ansinnen gut nachvollziehen. Für die pastorale Arbeit in einer Gemeinde ist dieses Verhalten aber nicht einmal eine Option. Die ganze Welt um uns herum ändert sich und zwar ständig, ob es uns gefällt oder nicht. Nehmen Sie gern allein die Stichworte Globalisierung, Klimawandel, Ukraine-Krieg etc. Wenn wir allein auf die Rahmenbedingungen für Kirche seit den 50er Jahren schauen, dann merken wir leicht, wie sich diese gravierend geändert haben. Die INNO Kirche Velbert wurde gegründet, um die nötigen Anpassungen und Veränderungen behutsam, an den nötigen Stellen und unter Einbeziehung der Menschen vorzunehmen. Lassen Sie sich gern ansprechen. Welcome aboard!

Gisbert Punsmann, PR

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22.9.2022 - Mythos Priestermangel?

Kirchen und Christ:innen sind auch gefährdet, von falschen Urteilen und Grundlagen auszugehen, was leicht zu unüberlegten Entscheidungen mit negativen Wirkungen führen kann. Das lässt sich gut am Beispiel des Priestermangels verdeutlichen. Fast alle in der katholischen Kirche sind überzeugt, dass zu ihren gravierendsten Problemen der Mangel an Priesterberufungen zählt. Viele strategische Entscheidungen basieren auf dieser Annahme. So wird das jahrhundertelang existierende flächendeckende Netzwerk an Pfarrgemeinden deshalb in vielen Diözesen radikal umgebaut.

Wie schaut es aber tatsächlich mit dem Mangel an Priesterberufungen aus?

In meiner Heimatdiözese Graz-Seckau betrug die Gesamtzahl der pastoral tätigen Hauptamtlichen in den 50er Jahren und in den Nullerjahren des neuen Jahrtausends jeweils etwa 2000 Personen. In der Aufbruchsphase nach dem 2. Weltkrieg waren über 90% dieser professionell ausgebildeten, kirchlich angestellten und vom Bischof gesendeten Personen Priester und Ordensleute. 50 Jahre später betrug der Priesteranteil nur mehr knapp 25%. Faktum ist: Die Gesamtzahl pastoraler Profis ist also nicht gesunken! Mittlerweile haben Frauen und Männer, Verheiratete und Unverheiratete das Spektrum der Seelsorger:innen bunter gemacht und so die seelsorglich-pastorale Arbeit bereichert.

Halten Sie das für Schönrederei? Oder eröffnet diese faktenbasierte Betrachtungsweise neue Möglichkeiten für eine zukunftsorientierte Personalentwicklung? Denn es lässt sich nachweisen, dass die Pluralisierung kirchlichen Personals zu einer Pluralisierung und Ausweitung kirchlicher Handlungsfelder geführt hat. Dadurch entstanden viele bemerkenswerte Beispiele von neuen Formen der lebensnahen Verkündigung. ""Zeichen und Werkzeug für die Liebe Gottes mitten in der Welt zu sein"" (Lumen Gentium 1), das geschah und geschieht heute auf vielfältige Weise in Schulen, Krankenhäusern, diakonischen Einrichtungen, bei erlebnispädagogischen oder entwicklungspolitischen Aktivitäten, in der Bildungsarbeit und mittlerweile auch in diversen Online-Präsenzen.

Dr. Georg Plank, Pastoralinnovation
Webseite: www.pastoralinnovation.org


Wenn es so ist, dass durch die Pluralisierung des kirchlichen Personals pastorale Handlungsfelder erweitert worden sind und insofern viele Menschen davon profitiert haben, dann muss man zum einen sagen, dass durch die stark zurückgehenden Zahlen an kirchlichem Personal diese Impulse grundsätzlich eher zurückgehen werden, aber auf der anderen Seite, dass sich für ehrenamtlich Engagierte neue Möglichkeiten ergeben, um sich eigenverantwortlich in der Gemeinde zu engagieren. Die INNO Kirche ist dankbar für das Engagement so vieler Menschen, sie fördert jedoch im Besonderen die Menschen, die für bestimmte Handlungsfelder brennen und dies pastoral selbständig umsetzen wollen. Dabei können wir auch etwas bieten, glaube ich. Man kann, wenn man sich für andere engagiert, auch viel Befriedigung für sein eigenes Leben mitnehmen. Insofern kommt man zu einer Win/Win-Situation. Steigen Sie gern bei uns ein. Wir freuen uns jedenfalls auf Sie.

Gisbert Punsmann, PR

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15.9.2022 - Alles wird schlechter!

Die Evolution alles Lebendigen ist von Verbesserungen geprägt. Auch die Geschichte der Menschheit könnte man als Verbesserungsgeschichte deuten – leider mit teilweise schlimmen Rückschlägen. Es gibt viele Beispiele, die diese „probabilistische Sicht“ ermutigen. Verbesserungen auf allen gesellschaftlichen Ebenen haben nachweislich dazu geführt, dass kaum jemand trotz aller unleugbaren Probleme lieber in einer anderen Welt oder zu einer anderen Zeit als der gegenwärtigen leben möchte.

Der schwedische Mediziner Hans Rosling (1948 - 2017) gilt als einer der Hauptvertreter dieser These. Er beschrieb in seinem Bestseller „Factfulness“, wie in den letzten 200 Jahren weltweit Parameter wie Alphabetisierungsgrad, medizinische Versorgung, Mindesteinkommen etc. deutlich gestiegen sind.

Wenn Ihnen nun sogleich Gegenbeispiele einfallen, was sich alles verschlechtert hat und dass die Menschheit unausweichlich auf selbst verursachte Katastrophen zusteuert, ist das nur eine scheinbare Falsifikation der Rosling`schen Grundthese: Viele Menschen hätten laut seinen Forschungen ein völlig verzerrtes, meist zu düsteres Bild von der Welt. Das Fatale: Diese faktisch oft falsche Sichtweise hat enormen Einfluss auf das Denken und Handeln von Entscheidungsträgern. Solide Fakten würden oft ganz andere Möglichkeiten eröffnen, mit den unbestreitbar gewaltigen Problemen der Gegenwart umzugehen. Es geht also weder um Schönfärberei noch um Untergangsszenarien. Es geht um das Bemühen, sich um eine möglichst wirklichkeitstreue Faktenlage als Ausgangspunkt des eigenen Handelns und der eigenen Entscheidungen zu bemühen.

Zu ähnlichen Ergebnissen kommen die Studien des Wissenschaftsjournalisten John Tierney und des Sozialpsychologen Roy Baumeister, die sie im Buch „Die Macht des Schlechten“ 2020 veröffentlicht haben. Die beiden Autoren erklären anhand des Negativitätseffekts, warum Länder in katastrophale Kriege geraten, warum Paare sich scheiden lassen oder warum Menschen Vorstellungsgespräche vermasseln. Doch sie zeigen auch, wie wir lernen können, unsere Negativitätsvorurteile zu erkennen, zu steuern und zu überwinden. Die Macht des Schlechten kann für Gutes genutzt werden, so ihre plausibel vorgetragene These.

Dr. Georg Plank, Pastoralinnovation
Webseite:
www.pastoralinnovation.org


Die erwähnten Negativitätseffekte lassen sich auch im eigenen Leben oder auch bei anderen recht leicht erkennen. Wir kennen Menschen, die eher mit einem positiven Ausblick auf das Leben ihren Weg gehen oder auch Menschen, die genau das Gegenteil machen. Manchen fällt der grundsätzliche positive Blick auf ihr Leben schwer, auch wenn sie sehen, wie gut es ihnen eigentlich geht. Mit wem umgeben sich die meisten von uns am liebsten: Mit Menschen mit positiver Grundstimmung oder Menschen, die immer nur das Schlechte sehen? Die Antwort scheint eindeutig. Auch wenn das Leben an manche Menschen schier übermenschliche Anforderungen stellt, so lohnt es sich doch, immer wieder das Gute, Positive in den Blick zu nehmen. Was würde das Leben sonst noch lebenswert machen?

Gisbert Punsmann, PR

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8.9.2022 - Sind wir etwa schlecht?

Heißt das denn, dass wir schlecht sind?“ So fragen viele gereizt, wenn ich betone, dass Innovationen Verbesserungen zum Ziel haben und nicht bloße Neuerungen. Es überrascht mich oft, wie negativ viele Menschen auf das Wort „besser“ oder „verbessern“ reagieren. Viele fühlen sich persönlich angegriffen. Sie sehen ihre Arbeit und oft langjährigen Bemühungen in Frage gestellt, reagieren gekränkt oder sogar aggressiv. In Kirchen kommt das überdurchschnittlich häufig vor.

Je hierarchischer ein System, umso verständlicher sind diese Reaktionen, wie ich inzwischen gelernt habe. Es ist schlimm, wenn Hierarchien nicht synodal agieren, sondern zu autoritärem und moralisierendem Gehabe neigen. Dann werden Appelle zur Verbesserung natürlich als Verordnung, Dienstanweisung oder im besten Fall als externe Motivierung gesehen, die offen oder versteckt die Unzufriedenheit der Vorgesetzten über den Istzustand widerspiegeln. Logisch, dass man dann unzufrieden reagiert, sich missverstanden fühlt oder die bisherige Arbeit als zu wenig wertgeschätzt erlebt.

In der folgenden Blog-Staffel möchte ich der Frage nachgehen, wie man Lust auf Besserwerden wecken kann. Ich bin dabei gespannt auf Ihre Erfahrungen und Überlegungen.

Dr. Georg Plank, Pastoralinnovation
Webseite: www.pastoralinnovation.org


Besser werden ist ja grundsätzlich etwas Gutes. Das würden sicherlich viele Menschen bestätigen. Wenn man im Kontext einer Kirchengemeinde tätig ist, kommt es aber nicht nur darauf an, ob wir vor Ort besser werden wollen und dann hoffentlich auch können. Der Blick auf uns und unser Handeln vor Ort wird maßgeblich davon mitbestimmt, welche Auswirkungen römische Entscheidungen oder solche des Bistums oder des eigenen Kirchenvorstands haben. Das kann man nicht immer alles verstehen noch gutheißen. Dranzubleiben und ggfs. trotz all der Frustrationen zu versuchen, die Arbeit und Darstellung der Gemeinde zu verbessern, erscheint dann manches Mal als fast schon übermenschliche Anstrengung.

Gisbert Punsmann, PR

  • INNO Kirche Velbert

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1.9.2022 - Freude mitten im Elend

Freude im biblischen Sinn ist nichts Gemachtes. Sie ist nicht das Ergebnis oder die Folge von Inszenierungen, psychologischen Tricks oder genialen Gags. Freude als Frucht des Geistes ist ein Geschenk, das aus einer lebendigen Beziehung mit dem lebendigen Gott strömt. Sie erweist sich stärker als Krisen, Konflikte, Krankheiten und Tod. Christ:innen feiern zu Ostern und an jedem Sonntag die Auferstehungsfreude. Oft wirkt es nahezu paradox, wie Menschen in schlimmsten Situationen diese tiefe Freude im Herzen empfinden. Solche Menschen sind wie eine Kerze, die mitten in der Dunkelheit das Licht Gottes ausstrahlen und anderen Hoffnung geben. Es gibt sie Gott sei Dank auch heute – in Kriegsgebieten wie Ukraine, Jemen oder Syrien und in den Terrorzonen Afrikas, aber auch in den Elendsviertel oder Vereinsamungsinseln dieser Welt.

Die Lektüre des Philipperbriefs, des „Briefes der Freude“ mit der bekannten Aufforderung „Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch!“ (Philipper 4,4) ist für mich immer wieder ein Trost in schwierigen Zeiten und Gemütszuständen. Seitdem ich weiß, dass Paulus dieses fantastische Werk der Weltliteratur im Gefängnis von Ephesos verfasst hat, ohne Hoffnung auf Befreiung, erstaunt es mich noch mehr, wie wunderbar die Beziehung zu Christus tatsächlich wirken kann!

Dr. Georg Plank, Pastoralinnovation
Webseite: www.pastoralinnovation.org


 Ich weiß nicht, ob Sie schon einmal jemandem begegnet sind, der ein Bekehrungserlebnis hatte, der erfahren hat, dass er von Gott zutiefst geliebt und akzeptiert ist. Bei einigen Menschen ist es dann so, dass die Freude über diese Erkenntnis, diese Gewissheit, sich in ihrem Gesicht deutlich wiederspiegelt. Sie wirken wie ein anderer Mensch. Diese eine Begegnung mit Christus hat ihr ganzes Leben verändert, auf den Kopf gestellt. In manchen Fällen wird diese Freude irgendwann von den Niederungen des Alltags überlagert. Bei anderen ist es aber so, dass diese grundsätzliche Freude ganz lange sichtbar ist. Was sehen Menschen in mir: Den liebenden, zugewandten Gott oder eher jemanden, den die Last des Alltags manches Mal zu erdrücken scheint?

Gisbert Punsmann, PR

  • INNO Kirche Velbert

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