Verabschiedung Pfarrer Gielen
Am 1. Oktober 1970 begann meine seelsorgliche Tätigkeit in St. Michael, Düsseldorf, Lierenfeld und am 1. September 2010 endet sie in St. Michael und Paulus in Velbert. Da geht einem doch vieles durch den Kopf und durch das Herz. Heute ist es das letzte Mal, dass ich die erste Seite des Sonntagsbriefes gestalte. Meine Aufgabe ist und bleibt die Mitte nicht zu verlieren und darum auch heute mein Blick auf Jesus. Nie benutzte Jesus die Dinge gegen ihre Natur; er entlockte ihnen die Energie, die sie in sich trugen und verwandelte sie in Zeichen, aus denen wir noch heute leben können. Wir haben die Energie zum Hören und zum Handeln in uns. Die Zeichen sind uns dafür gegeben. Jesus rührt uns in jedem Gottesdienst an. Es kommt nur darauf an, ob wir uns anrühren lassen und diese Berührung dann weitergeben. Das wäre eine Kettenreaktion zum Leben.
Mehr als fünfzig Jahre nach dem Konzil sind wir gerade eifrig dabei, die Kirche museumsreif zu machen. Das hängt allein schon daran, dass diejenigen in der Kirche, die das Sagen haben und diejenigen, die sich noch etwas sagen lassen, immer älter werden. Da macht es natürlich Spaß, die guten alten Sachen zu konservieren. Die Menschen kommender Generationen sollen sehen, wie die Kirche einst ausgesehen hat.
Die Museumsstücke können sich sehen lassen: Da gibt es nicht nur herrliche Monstranzen und Ehrfurcht gebietenden Kirchenräume; nein, wir haben auch Gebote, Gesetze und Verordnungen vorzuweisen, wie sie einst eingehalten wurden. Die Gottesdienste waren übervoll, obwohl wegen der Sprache keiner etwas verstehen konnte; freitags wurde nur mit schlechtem Gewissen Fleisch gegessen, die Beichtstuhltüren waren ununter-brochen in Bewegung und die Überzeugung, die katholische Kirche sei allein selig machend, unangetastet. Aber das alles ist bereits Museum, dem das Wesentliche fehlt: Leben.
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Wolfgang Seifen, Jahrgang 1956, erhielt seinen ersten Klavier- und Theorieunterricht bei Hermann Kräling, dem Kirchenmusiker in Oberhausen. Mit dem Besuch des Musikgymnasiums der "Regensburger Domspatzen" seit 1967 und dem Kirchenmusikstudium in Aachen von 1973 bis 1976 setzte er seine musikalische Ausbildung fort. Neben dem Studium bekleidete er eine erste Organistenstelle an der Nikolauskirche zu Aachen. Es folgten von 1977 bis 1980 die Leitung des studentischen Kammerorchesters Aachen und die Gründung des Kammerchors "Cappella Cantica". Zeitgleich arbeitete Wolfgang Seifen als Kirchenmusiker an St. Sebastian in Nettetal-Lobberich und von 1983 bis 2000 als Organist an der päpstlichen Marienbasilika zu Kevelaer.
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