St. Michael und Paulus

INNO-Blog

7.7.2022 - Körpereigene Drogen

Emotionale Glückszustände dauern meist nicht sehr lange an. Dennoch spielen sie eine große Rolle für die nachhaltige intrinsische Motivation zu Veränderung, positivem Denken und konkretem Handeln – auch und gerade angesichts von offenen Fragen, nagenden Zweifeln oder externen Widerständen. Biologisch betrachtet sind chemische Botenstoffe oder Neurotransmitter dafür verantwortlich, populärwissenschaftlich häufig Glückshormone genannt, zum Beispiel Dopamin, Serotonin, Noradrenalin oder Endorphin. Wegen der vergleichbaren Wirkung werden sie auch als „körpereigene Drogen“ bezeichnet. In Momenten der Begeisterung reflektieren allerdings die wenigsten von uns deren neurobiologischen Ursachen. Im Gegenteil, in der jeweiligen Situation dominieren die Gefühle über die Gedanken, egal ob es sich um ein sportliches oder kulturelles Highlight, eine intensive Liebes- oder Gemeinschaftserfahrung, ein spirituelles Erlebnis oder einen Durchbruch bei einer gefinkelten Problemlösung handelt. Wir erleben ein intensives Lustgefühl, das uns befeuert, beflügelt und bestärkt. Begeisterung löst ungeheure Motivation aus. Sie wirkt impulsiv und macht Lust zum Handeln. Am liebsten würde man sofort alles Mögliche anpacken und umsetzen! Wann haben Sie zuletzt bei einem kirchlichen Ereignis Begeisterung erlebt?

 

Dr. Georg Plank, Pastoralinnovation
Webseite: www.pastoralinnovation.org


In meiner Heimatgemeinde habe ich seinerzeit viele traditionelle katholische Christen getroffen, für die ihr Glaube sicherlich eine Bedeutung hatte. Drei Gottesdienste am Wochenende waren in unserem Dorf sehr gut besucht. Was ist geblieben nach 40 Jahren? Es gibt noch einen, schlecht besuchten, Gottesdienst. Es gibt keinen eigenen Pfarrer mehr, kein Pfarrbüro, wenige Gemeindegruppen etc. Sie haben das alles schon gehört. Die Situation unterscheidet sich nicht wesentlich von der in anderen Dorf- oder Stadtgemeinden. Man traf häufig auf Tradition, aber selten auf Begeisterung. Wäre es anders herum gewesen, behaupte ich, dass die Situation vor Ort heute anders wäre. Ich selber habe Begeisterung später in einem Gebetskreis für junge Erwachsene gefunden. Diese Begeisterung hat mich und auch andere weiter- und durchgetragen. Unsere Gemeinde, INNO Kirche braucht vom Glauben begeisterte Menschen. Lassen Sie uns zusammen danach streben, diese Begeisterung zu finden oder wieder zu finden.

 

Gisbert Punsmann, PR

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30.6.2022 - Hände hoch

Wenn bei einem Fußballspiel endlich das erlösende Tor geschossen wird, springen Tausende Fans auf, reißen ihre Arme hoch, tanzen und hüpfen, jubeln und schreien, fallen sich in die Arme. Millionen Fans von Sport und Kultur lernten solche Erlebnisse durch die erzwungene „Fastenzeit“ aufgrund der Pandemie umso intensiver zu schätzen. Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass die körpersprachlichen Ausdrucksformen von Begeisterung kulturenübergreifend verblüffend ähnlich sind? Eher extrovertierte Menschen springen auf, reißen die Arme hoch, schreien, fallen sich um den Hals, hüpfen und weinen. Bei den stilleren Menschen sieht man, wie sie sich mit den Händen auf den Kopf oder ins Gesicht greifen, dass sie die Augen schließen oder zum Himmel erheben. Sie atmen tief und langsam oder weinen still vor Freude. Viele erzählen, dass sie sich in solchen Momenten auf beglückende Weise verbunden fühlen mit allen anderen Fans oder sogar mit einem schwer zu definierenden größerem „Wir“. Wo und wie erleben Sie Begeisterung auf eine Weise, die Sie positiv stimmt und mitreißt?

 

Dr. Georg Plank, Pastoralinnovation
Webseite: www.pastoralinnovation.org


Ich erinnere mich sehr gut an emotionale Momente beim Fußball, Momente des Jubels, aber auch der Traurigkeit. Begeisterung habe ich auch schon in Gottesdiensten, bei religiösen Freizeiten, Weltjugendtagen etc. erlebt. Wenn wir in vielen verschiedenen Augenblicken Begeisterung spüren, aber in unserem Glauben nicht (mehr), dann ist das etwas, über das man nachdenken sollte. Wenn wir uns als geliebte Kinder Gottes sehen, dann ist das etwas, was uns zu Begeisterung führen kann. Das könnte in uns prinzipiell viel mehr auslösen als Dinge, die zum Gelingen unseres Lebens eher wenig beitragen können. Ein vom Geist erfüllter Mensch, ein Begeisterter, kann glaubwürdiges Werkzeug Gottes werden.

 

Gisbert Punsmann, PR

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23.6.2022 - Wie Gott uns schuf

Angesichts wachsender humanwissenschaftlicher Erkenntnisse über den Menschen als Individuum und als Sozialwesen bietet die paulinische Sicht einer „Einheit aller in Christus“ die theologische Basis, um alle nach wie vor bestehenden Differenzierungen und Diskriminierungen zu überdenken und ggf. zu verändern.

Das Wissen, dass zum Beispiel geschlechtliche Identitäten weitaus vielfältiger sind als lange Zeit angenommen, sollte einer jahrhundertelangen diskriminierenden, entwürdigenden und oft tödlichen Praxis endgültig jegliche Legitimation entziehen. Beim synodalen Weg der deutschen katholischen Kirche hat sich immer wieder Mara Klein zu Wort gemeldet: ""Es ist eine sehr engstirnige Weltsicht, in der es nur Mann und Frau gibt und nur Mann und Frau, die aufeinander verwiesen sind. Ich weiß aus meinem sehr tiefen Glauben heraus, dass es für Gott keine Rolle spielt. Oder besser gesagt: dass Gott mich genau so positiv annimmt, wie ich bin."" Mara Klein ist divers und studiert katholische Theologie.

 

Dr. Georg Plank, Pastoralinnovation
Webseite: www.pastoralinnovation.org


 

Gisbert Punsmann, PR

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16.6.2022 - Liebe ist der Schlüssel

Für mich gibt es einen letzten Grund, auf dem das Ineinander und Zusammenspiel vieler, unterschiedlicher, ja letztlich einander immer auch fremder Menschen keimen, wachsen und gedeihen kann. Es ist das Geheimnis, das wir im umfassenden Sinn Liebe nennen, ob aus geistlich-spiritueller oder aus psychologisch-therapeutischer Perspektive, ob aus neurologischer Empathieforschung oder sozialwissenschaftlichen Erkenntnissen.

Immer mehr erscheint mir die Liebe als Geschenk, als Geheimnis und als Kunst (Erich Fromm), zu der jeder Mensch fähig ist.

Liebe ist für mich der Hauptfaktor gelungener Kooperation und heilvoller Verbundenheit, im privaten und im öffentlichen Bereich, in Familien und Freundeskreisen, aber letztlich auch in der großen Politik.

Katholische Christ*innen feiern diese Liebe öffentlich im Fronleichnamsfest und setzen damit ein Zeichen für Friede, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung.

 

Dr. Georg Plank, Pastoralinnovation
Webseite: www.pastoralinnovation.org


Als ich in einem Dorf in unmittelbarer Nähe des Ruhrgebiets aufwuchs, war Fronleichnam jeweils ein großer Festtag und die Enttäuschung groß, wenn es stark regnete. In einem Jahr zog man durch die Wiesen und Felder, im anderen Jahr durch den Dorfkern. Gefühlt war jeder, der laufen konnte, dabei. Heute ist vieles anders geworden. Wir tragen immer noch die Liebe Gottes in der Eucharistie durch die Städte und Gemeinden, auch wenn die Beteiligung geringer ist als früher. Und doch setzen wir ein Zeichen. Wir bringen Gott zu den Menschen. Mir fällt nicht so viel ein, was wichtiger wäre. Das ist auch ein Ziel der INNO Kirche, näher bei den Menschen zu sein, für Gespräche zur Verfügung zu stehen. Deshalb bieten wir Menschen in der Innenstadt einen Kaffee zu einem möglichen Gespräch an oder schenken ihnen eine Rose zum Valentinstag. Gott hat uns Menschen auf unseren Weg gestellt, damit wir ihnen dienen und ihnen ein Stück weit die Liebe Gottes zeigen. Das sind die wichtigsten Ziele der INNO Kirche. Alles andere leitet sich davon ab.

Gisbert Punsmann, PR

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9.6.2022 - Spielen ist mehr

In der Flow-Forschung, die ich im letzten Blog erwähnt habe, wird immer wieder mit dem Bild spielender Kinder versucht zu illustrieren, dass es nicht um Perfektionismus geht, auch nicht um übertriebene Steuerung oder gar Machbarkeitswahn. Entscheidend ist das Aufgehen in ein gegenwärtiges Erleben, um ein konzentriertes Fokussiert-Sein ohne Ablenkung, um ein achtsames Dasein in Verbundenheit.

Fragen Sie sich bei der nächsten Sitzung oder auch bei einer Videokonferenz, ob diese Qualitäten spürbar sind? Überlegen Sie gemeinsam, was sie fördert oder behindert und wie sehr Sie bereit sind, damit anzufangen.

Solche Forschungen und Erlebnisse lassen mich besser verstehen, warum Jesus uns auffordert: Werdet wie die Kinder, denn Menschen wie ihnen gehört das Himmelreich!

 

Dr. Georg Plank, Pastoralinnovation
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Vor kurzem war ich in einer Reha im Thüringer Wald. Da konnte man sich mit verschiedenen Übungen zur Entschleunigung, intensiven Wahrnehmung und dem Genießen vertraut machen. Das stellte insbesondere für die vielen Burnout-Patienten einen Paradigmenwechsel dar. Eine Aufgabe lautete einmal, sich für 100 Meter Waldspaziergang eine halbe Stunde Zeit zu nehmen. Beim ersten Mal mutete diese Aufgabe lächerlich an und ich fragte mich, wie ich diese Zeit wohl nutzen sollte. Dann gewöhnte ich mich an den Gedanken und fing an, Dinge bewusster wahrzunehmen, zu riechen, zu schmecken, zu hören und zu sehen. Ich entdeckte viele kleine Dinge, die ich niemals vorher wahrgenommen hatte oder die mir unwichtig gewesen waren. Ich war viel achtsamer unterwegs und auf Wahrnehmen fokussiert. Ich war mehr bei mir selber und dadurch, glaube ich, auch mehr bei Gott. Diese Erkenntnisse können uns auch im Gebet helfen. Wenn ich ständig abgelenkt werde, dann ist das auf der einen Seite zwar normal. Auf der anderen Seite hilft die Achtsamkeit mir, mehr und mehr ganz im Gebet bei Gott zu sein, ohne Tausend andere Gedanken zu haben. Je mehr ich im „Hier und Jetzt“ ganz bei mir selber bin, umso mehr kann ich ganz bei Gott sein. Der Versuch lohnt mehr als vieles andere.

Gisbert Punsmann, PR

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