St. Michael und Paulus

INNO-Blog

28.4.2022 - Bitte keinen Erlöser!

Lange hatte auch ich die in kirchlichen Kreisen beliebte und übertriebene Personifizierung mitgetragen: Ob etwas gelingt oder nicht, ob Menschen begeistert sind oder nicht, ob sie der Kirche und ihrer Botschaft vertrauen, liege in erster Linie an Einzelpersonen. „Wenn wir nur eine*n Jugendleiter*in, Pfarrer, Bischof oder Papst hätten, der …“ – wie oft habe ich diesen Satz gehört. Und wie lange brauchte ich, um zu verstehen, dass dieser gut gemeinte Wunsch weder praxistauglich noch zukunftsfähig ist.

Systeme gesunden dann, wenn sowohl die einzelnen Teile als auch deren Verbundenheit funktioniert. Ein Organismus braucht gesunde Einzelglieder und das funktionierende In- und Miteinander aller beteiligten Teile. „Growing a healthy parish“ – mit dieser Vision bringt Father Michael White von der Church of the Nativity dieses systemische Prinzip auf den Punkt.

Dr. Georg Plank, Pastoralinnovation
Webseite: www.pastoralinnovation.org


Etliche Menschen machen ihren Glauben von ihrem Pfarrer abhängig. Im Moment funktioniert das auch ganz gut mit dem aktuellen Erzbischof von Köln. Man erwartet von anderen vieles, häufig viel zu viel. Ein Pfarrer soll ein überragender Prediger sein, ein Menschenversteher und -freund, ein verständnisvoller Beichtvater, er soll barmherzig, freundlich, fröhlich, gebildet und fromm sein. Er soll ein zugewandter Dienstvorgesetzter sein, die Kirche mit der passenden Musik und Kunst darin am besten so gestalten, wie es mir gerade gefällt. Er soll zügig und mit einem hohen Maß an Sachkunde wichtige Bauvorhaben durchführen ohne den Zeit- und Kostenrahmen zu sprengen. Gern soll er nicht nur Theologe, sondern auch Psychologe und Soziologe sein. Auf wen trifft das alles zu? Richtig, auf niemanden! Auch nicht auf diejenigen, die diese Eigenschaften gerne einfordern. Mein Glaube hängt in erster Linie von mir selber ab und von niemand anderem. Ist mir mein Glaube wichtig? Was bin ich bereit, für meinen Glauben zu tun? Lasse ich zu, dass mein Glaube mein Leben komplett durchsäuert, d.h. beeinflusst? Will ich Freundschaft mit Jesus Christus? Wenn ich diese Fragen mit JA beantworten kann und es ernst meine mit meinem Glauben, dann werde ich Erfahrungen mit Gott auf diesem Weg machen. Dann wird er selber in erster Linie mein Lehrmeister sein. Etwas Besseres und Schöneres gibt es nicht.

Gisbert Punsmann, PR

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21.04.2022 - Jesu' Team

Wenn man besondere Unternehmen oder innovative Organisationen analysiert, so sind immer Teams für diesen Erfolg verantwortlich. Glauben Sie das? Oder gehören Sie zur Mehrheit derjenigen, die als Hauptfaktor für Erfolg und Innovation einzigartige Einzelplayer, großartige Führungskräfte und sogenannte „High Performer“ ausmachen? Wie auch immer: Je nachdem, ob die Team- oder die Einzelplayervariante als handlungsleitendes inneres Bild vorherrscht, werden die Konsequenzen auf das jeweilige System völlig unterschiedlich sein.

Ob das ein Grund ist, warum der Jesus Christus als erste Handlung nach seiner Auferstehung sofort wieder sein Team zusammenholt, es stärkt, aufbaut und berührt? Warum Er den Jüngern trotz ihres Versagens eine neue Chance gibt? Warum Er bis heute jeden und jede von uns in Seinem Team dabei haben will?

Dr. Georg Plank, Pastoralinnovation
Webseite: www.pastoralinnovation.org


Es hat mich vor einiger Zeit amüsiert. Überall tauchten auf einmal Teams auf: Pastoralteams, Klinikteams, Praxisteams etc. Ich fand das irgendwie lustig. Es wird ein Name, der irgendwie hip erscheint, in eine bestimmte Situation gebracht, ob passend oder nicht. Was heißt denn eigentlich Team im Deutschen? Mannschaft! Ich spiele selber noch ab und an Fußball in einer Mannschaft, die noch Wettbewerbe spielt, auch durchaus erfolgreich. Wenn man aber auf die Mannschaft schaut, dann entdeckt man viele Spieler, die die Nummern 6,8 oder 10 normalerweise tragen würden. Man hat kaum jemanden, der für die 1, 4, 7, 9 oder 11 in Frage kommen würde. Und doch spielt diese Mannschaft erfolgreichen Fußball. Wie geht das? Ich glaube, es hat auch damit zu tun, dass viele diese Einschränkungen sehen und bereit sind, deshalb härter zu arbeiten als andere Teams. Man vergleicht nicht ständig, was man selber für das Team leistet und was andere beitragen, sondern man akzeptiert die Situation und versucht das Beste daraus zu machen, indem man wie ein „Team“ spielt und niemanden Vorwürfe macht für etwas, wofür er nichts kann. Teamgeist schlägt Klasse. Das kann man jeden Tag aufs Neue erleben.

Gisbert Punsmann, PR

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14.04.2022 - Unterschätze dich nicht

Beides ist möglich: gelassen und ehrgeizig zu sein; auf Gott und Seinen Beistand zu vertrauen und alles Menschenmögliche zu versuchen; kindlich naiv etwas zu probieren und akribisch zu planen.

Der Gründer des Jesuitenordens Ignatius von Loyola wird dazu folgendermaßen zitiert: „Bete, als ob alles von dir abhängt und handle, als ob alles von Gott abhängt.“ Hoppala! Wird dieser Satz meist nicht umgekehrt so benannt: „Bete, als ob alles von Gott abhängt, und handle, als ob alles von dir abhängt“? Warum macht in der ignatianischen Spiritualität und seinem Verständnis von Kontemplation und Aktion die erste Variante tiefen Sinn: Weil Gebet alleine, das keine Taten setzt, zu wenig ist! Und Handeln, ohne auf die Allmacht Gottes zu hoffen, ist Selbstüberschätzung. Denn nur durch die Gnade Gottes wird vielleicht auch aus der gut gemeinten, aber schlecht gemachten Tat dennoch tatsächlich etwas Gutes. Diese Haltung macht Jüngerschaft für jede und jeden möglich, unabhängig von Bildung, Biographie oder Status. "Unterschätze nicht, was du kannst!" - so lautete daher zu Recht die Osterbotschaft des indischstämmigen Franziskaners P. Sandesh Manuel, die er als Rap online verkündete.

Entscheidend scheint mir dabei, dass vor und hinter dem Wunsch nach Erfolg die Sehnsucht steht, Gott und Seiner Liebe den Weg zu bereiten. Sein "Erfolg" ist der Sieg des Lebens über den Tod, den wir zu Ostern feiern dürfen. So verwirklicht sich die universale Heilsvision, die bereits 500 Jahre vor Christus bei Jesaja 40,3-5 aufleuchtet: „In der Wüste bahnt den Weg des HERRN, ebnet in der Steppe eine Straße für unseren Gott … Dann offenbart sich die Herrlichkeit des HERRN, alles Fleisch wird sie sehen.“

Schon damals: Nicht nur das erwählte Volk, sondern „alles Fleisch“, also alle Menschen, ja die gesamte Schöpfung soll durch unser „Wegbereiten“ Gott erfahren, Seine Herrlichkeit und Sein Heil.

Dr. Georg Plank, Pastoralinnovation
Webseite: www.pastoralinnovation.org


Gebet, das keine Taten setzt, sei zu wenig in der ignatianischen Spiritualität! Ist das so und was erleben wir bei uns? Mir fällt auf, dass m.E. grundsätzlich weniger und von weniger Menschen gebetet wird als früher. Es gab Zeiten, in denen viele Menschen in eine geöffnete Kirche kamen, nur um für einen Moment zu beten. Ich kann Kirchen an einigen Standorten in Velbert aufschließen, dann wird niemand während des Tages in diese Kirche gehen. An anderen Standorten in der Innenstadt wird das anders sein. Aus verschiedensten Gründen scheinen etliche Menschen weniger zu beten als früher oder gar nicht mehr. Andere Menschen verfügen über das „Charisma des Gebets“ , beten sehr viel, häufig bzw. auf unterschiedliche Weisen. Dafür ist sicherlich auch Raum vorhanden. Manches Mal beobachte ich aber auch, dass Menschen, die viel beten, nicht notwendigerweise dadurch auffallen, dass dieses Gebet sich in Werken für andere niederschlägt. Als wenn das eine mit dem anderen nichts zu tun hätte. Das ist schade und spiegelt meines Erachtens nicht unbedingt den Schöpferwillen wider. Ich habe u.a. an einer franziskanischen Universität im Ausland studiert. Dort gingen 60 % der Studenten jeden Tag zur Messe, es gab 25 kleinere Kapellen auf dem Unigelände, die häufig gut gefüllt waren. Dazu kam: Für viele Studenten war es normal, eine apostolische Aufgabe zu übernehmen: Alte oder Kranke zu besuchen, in Kinderheime zu gehen, Ansprechperson für Jugendliche in Schwierigkeiten zu sein, Bedürftige zu unterstützen etc. Glaube, Gebet und soziales Engagement gingen immer Hand in Hand und ergänzten sich. Sie gehörten immer zusammen. Wie wäre es, wenn wir Gott selber fragen würden, ob und welches soziale Engagement für uns in Frage kommt? Auf seine Antwort bin ich gespannt.

Gisbert Punsmann, PR

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07.04.2022 - Liebe. Liebe. Und Liebe!

Was gibt mir in den letzten Jahren mit den vielen Polarisierungen, komplexen Verhältnissen und beängstigenden Unsicherheiten Orientierung? Für mich wurde immer stärker das Doppelgebot der Liebe zum wegweisenden Stern. Alles, was dazu führt, dass Menschen Gott lieben und den Nächsten wie sich selbst, erfüllt ja „das ganze Gesetz und die Propheten“. So brachte es Jesus auf den Punkt. Liebe - biblisch verstanden - übersteigt ja eine romantisch-emotionale Engführung. Sie offenbart sich in den fundamentalen Kategorien von Wahrheit, Gerechtigkeit und Gnade. Im konkreten Leben verursacht diese dreifache Dimension durchaus Spielräume, Spannungen und Konflikte.

Früchte, Ergebnisse, auch Erfolge im Sinne einer so verstandenen Liebe können von ihrer konkreten Ausdrucksform äußerst vielgestaltig sein. Denn jede kirchliche Gemeinschaft oder Organisation hat die Möglichkeit, durch ihr Sein und Handeln die Liebe Gottes in Wahrheit, Gerechtigkeit und Gnade erfahrbar zu machen. Ob im gemeindlichen Bereich, in der Bildungs- oder Sozialarbeit, in der Öffentlichkeitsarbeit oder in spirituellen Angeboten, entscheidend ist immer, ob Menschen die verwandelnde Kraft der Liebe Gottes erleben. Und das unter allen Umständen, egal, wie schwierig, undurchschaubar und verwirrend die Rahmenbedingungen auch sein mögen, die Gott uns als Wirklichkeit vorgibt.

Diese Art von weltgestaltender Zugewandtheit, von globaler Geschwisterlichkeit und sozialer Freundschaft bringt Papst Franziskus in seiner Enzyklika „Fratelli tutti“ von 2020 auf den Punkt und markiert damit ein neues Paradigma von kirchlicher Systemrelevanz.

Dr. Georg Plank, Pastoralinnovation
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Das jesuanische Doppelgebot der Liebe ist in der Tat wegweisend für uns Christen. Es heißt nicht umsonst: „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen“ (Mt. 7,20). Vielen von uns fällt es nicht schwer, die Auswirkungen von Liebe bzw. fehlender Liebe zu erkennen. Ich war und bin häufiger in Klöstern zu Gast oder zu Gottesdiensten in anderen Städten oder evangelischen Gottesdiensten in Velbert. Jedes Mal hat man einen Eindruck, ob man dort liebevoll miteinander umgeht oder ob ein Gast wertgeschätzt wird im Namen Jesu. Zu manchen Orten fühlt man sich hingezogen, zu anderen würde man niemals wieder gehen. Wie ist es mit uns, unseren Gottesdiensten, unseren Veranstaltungen: Sind sie anziehend, wird hier die Liebe Gottes durch die Beziehungen untereinander spürbar? Die INNO Kirche versucht, Schritt für Schritt unsere Gemeinde anziehender zu machen, Jesus erlebbarer zu machen. Das ist ein langer Prozess, der hoffentlich erfolgreich sein wird. Wenn Sie Lust haben, uns in diesem Prozess zu unterstützen, dann freuen wir uns auf Ihre Rückmeldung (gisbert.punsmann@erzbistum-koeln.de). Herzlichen Dank.

Gisbert Punsmann, PR

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31.03.2022 - Früchte des Geistes

Viele biblische oder kirchengeschichtlichen Persönlichkeiten sind für mich eindeutig um Innovator*innen. Warum? Sie hatten Ideen, Visionen, Sehnsüchte. Sie nahmen Probleme oder Missstände wahr und wollten diese lösen. Dann machten sie sich ans Werk. Nach mehr oder weniger schwierigen Prozessen waren sie oft erfolgreich, nicht immer vollständig oder eindeutig, auch nicht immer genau so wie geplant, aber doch mit deutlich messbaren Ergebnissen und Verbesserungen.

Wenn man heute von pastoralen Innovationen spricht, sollte man daher auch beschreiben können, woran man denn konkret merkt, ob Verbesserungen gelungen und Innovationen erfolgreich sind.

Haben Menschen gelernt, sich selbst, ihren Nächsten und Gott mehr zu lieben? Das ist zum Beispiel der konkrete Maßstab der "Church of the Nativity" in Baltimore, bekannt durch ihren Erfahrungsbericht "Rebuilt". Oder erfüllen sich die Verheißungen der Seligpreisungen aus der Bergpredigt? Oder werden die Werke der Barmherzigkeit stärker gelebt? Oder spürt man die Früchte des Geistes, wie sie im Galaterbrief 5 aufgezählt werden?

Welchen Zugang auch immer Sie wählen: Solche Kriterien kann man auf den eigenen Wirkungsbereich umlegen und kontextuell anwenden. Sie merken, es geht dabei um Qualitäten, die oft auch quantitativ messbar sind.

Dr. Georg Plank, Pastoralinnovation
Webseite: www.pastoralinnovation.org


Es ist herausragend, die erwähnten „Früchte des Geistes“ aus dem Galaterbrief bei Menschen zu erleben. Menschen, die Gott nahe sein wollen, sich von seinem Wort prägen lassen, sich im wieder im Gebet auf zu ihm machen und auf die Nöte anderer reagieren, haben eine gute Chance, Träger dieser Früchte zu sein. Ich habe solche Menschen in Ordensgemeinschaften, aber auch in Pfarrgemeinden erlebt und war tief beeindruckt. Diese Menschen haben etwas „Heiliges“ an sich und weisen uns auf Gott hin. In den letzten Wochen habe ich häufiger mit ukrainischen Kriegsflüchtlingen zu tun bzw. eher noch mit Menschen, welche diese unterstützen. Wie bemerkenswert viele Menschen gibt es, die sich ansprechen ließen durch die Not der Flüchtlinge, die auf vielerlei Art und Weise geholfen haben. Unglaublich! Ich war sicherlich tief beeindruckt. Etliche von ihnen werden wir in keiner Velberter Gemeinde treffen. Sie werden sich Gott vielleicht auch gar nicht besonders nahe fühlen. Aber doch tun sie das menschlich Richtige: Sie lassen sich von der Not anderer ansprechen und reagieren. Sie zeigen uns „Früchte des Geistes“, auch wenn sie von diesen vielleicht noch nie gehört haben. Da gewinnt der Spruch: „Der Geist Gottes weht, wo er will“ (Joh. 3,8) noch einmal eine ganz andere Bedeutung.

Gisbert Punsmann, PR

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